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Die Gemeinde Gurtendorf, urkundlich erstmals im Jahre 1278 erwähnt, ist eine der ältesten Gemeinden im Kuhländchen. Das bäuerlich geprägte Dorf hatte vor der Vertreibung in den Jahren 1945/46 380 Einwohner, der Anteil der tschechischen Bewohner war gering. Mitten im Dorf steht die 1869 erbaute Kapelle zum Hl. Michael. Sie diente der Andacht und an besonderen Festtagen fanden Gottesdienste statt. Nach Kriegsende zogen nur wenige Tschechen in den Ort, die Kapelle wurde nicht mehr genutzt und war dem Verfall preisgegeben.
Im Juni 1996 hatte eine Reisegruppe aus Deutschland, weitgehend gebürtige Gurtendorfer, die Möglichkeit, die Kapelle zu besuchen und eine Andacht zu halten. Dabei wurde festgestellt, dass das Kirchlein sowohl innen wie auch aussen erhebliche Schäden aufwies.
Der damalige Ortsbetreuer, Herr Willibald Böhnisch, machte noch auf der Heimreise den Vorschlag, die Gurtendorfer Landsleute zu Spenden für die Sanierung der Kapelle aufzurufen. Er, von Beruf Architekt und Bauingenieur, nahm sich, unterstützt von Berthold Lehnert und Adolf Klohs, der Aufgabe an. Er schrieb an die dortige Gemeindeverwaltung und setzte sich mit dem zuständigen Pfarramt in der Bezirksstadt Freiberg in Verbindung. Ein in Neutitschein tätiger Architekt wurde als Gutachter und Kostenschätzer eingeschaltet. Zwischenzeitlich erfolgte ein Spendenaufruf an die Gurtendorfer Landsleute und deren Freunde, wie man auch einen Unterstützungsantrag an den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond in Prag stellte.
Es war ein langer und steiniger Weg, bis letztlich einer Baufirma aus Neutitschein der Auftrag für die schlüsselfertige Sanierung der Kapelle erteilt werden konnte. Mit den Arbeiten wurde im Oktober 1999 begonnen, sie gingen zügig und reibungslos voran. Das Glockentürmchen mußte abgetragen und erneuert werden. Im Beisein Gurtendorfer Landsleute aus Deutschland nahmen Arbeiter das Turmkreuz mit der Turmkapsel ab, öffneten diese und fanden ein Kästchen aus Zinkblech. Darin lagen eine Denkschrift aus dem Jahre 1936 (in diesem Jahr wurde die Kapelle saniert), sowie alte österreichische Münzen von 1869 und tschechische Münzen von 1936. Ein aufregender Moment und ein hochinteressanter Fund.
Im Juli 2000 waren die Sanierungsarbeiten beendet, doch bevor die Bauarbeiter abzogen, wurde in die erneuerte kupferne Turmkapsel eine Edelstahl-Kassette mit alten und neuen Urkunden, sowie den alten und neuen deutschen und tschechischen Münzen eingelegt. Ein historischer Akt, der nachfolgenden Generationen Zeugnis der Vergangenheit geben wird.
Am 5. August 2000 war der Höhepunkt der Kapellen-Sanierung erreicht. Es erfolgte die Weihe des nun strahlenden Kirchleins durch den Bischof der Diözese Troppau-Ostrau František Lobkowicz. Der Weihe war ein ergreifender Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche in Freiberg vorausgegangen. Einträchtig waren einheimische Bewohner und nahezu 80 angereiste Gäste aus Deutschland zusammen gekommen, um den zweisprachig gehaltenen Gottesdienst zu feiern. Anschließend fand an der Kapelle die feierliche Schlüsselübergabe durch Willibald Böhnisch statt, sowie die Weihe durch den Bischof. Eine große Menschenmenge verfolgte die Gebete, die Musik und die Festreden, welche jeweils in die andere Sprache übersetzt wurden. Der amtierende Ortsbetreuer von Gurtendorf, Adolf Klohs, gab der anwesenden Presse Interviews, sogar das Regionalfernsehen war gekommen. Dem Ortsbetreuer oblag auch die gesamte Organisation der Reise mit zwei vollbesetzten Bussen.
Es mutet fast wie ein Wunder an, dass die Kosten für die Sanierung von nahezu 50.000 DM von den in Deutschland lebenden Landsleuten samt dem Zuschuss aus Prag aufgebracht werden konnten. Deshalb sei an dieser Stelle allen Spendern und Helfern herzlich gedankt. Besonderer Dank gilt der Familie Jahn, denn ohne deren Hilfe und Unterstützung bei der Vermittlung von Gesprächen und tatkräftiger Mitarbeit hätte das Projekt nicht realisiert werden können.
Die jetzt in Gurtendorf lebenden Gläubigen können in der "neuen" Kapelle Andacht halten und Gottesdienst feiern. Möge ihr Gebet der Verständigung und dem Frieden dienen.
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